Am 25. November 2010 fand in Düsseldorf die Konferenz „The World After Advertising“ statt und ich kann nur Gutes berichten! Eine der besten Konferenzen die ich zum Thema Online Marketing in letzter Zeit besucht habe! Die Auswahl der Referenten war sehr gut getroffen und absolut hochkarätig! Einzig die Menge der Vorträge die auf einen einzigen Tag verteilt waren, war mir persönlich fast etwas zu viel, dadurch blieb das Networking leider etwas auf der Strecke, was schade war, denn nicht nur die Agenda, auch die Teilnehmerliste liest sich sehr interessant und vielversprechend. 100% kann ich zudem für die sehr gute Organisation und Verpflegung aussprechen. *ilike*
Trotz kontinuierlicher Zeitüberschreitung der Vorträge moderierte Prof. D. Klemens Skibicki charmant und gekonnt durch den Konferenztag. Leicht verspätet begann die Konferenz gegen 10 Uhr mit einer kleinen Begrüßungsrede von Marc Ziegler (Geschäftsführer, Mediencluster NRW GmbH) welcher die Ergebnisse einer aktuelle Expertenbefragung zum Thema Advertising-Trends vorstellte. Die Zahlen, nicht wirklich überraschend aber trotzdem interessant: 47% der befragten Experten prognostizieren eine starke Veränderung im Werbemarkt. Wachsende Trends sind lt. der Experten Social Media, Location Based Marketing und in Game Advertising. Bei den Vergütungsmodellen gewinnen in der Umfrage CPO, CPA und TKP Modelle.
Das Grußwort hielt Marc Jan Eumann (Staatssekretär für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes NRW). Er lobte NRW als den Medienstandort in Deutschland und sprach sich für mehr Transparenz in der digitalen Welt aus.
Mit der Keynote von Rob Gonda (SapientNitro – Global Lead Creative Technology) begann eine steile Kurve nach oben was das Level der Vorträge angeht. Einer seiner ersten Sätze war: „Do you remember the world before iPhone?“. Und wir geben zu es fällt uns schwer. Er spricht über die Marke „Share Happy“ die jedem, der dem Eisautomat ein Lächeln schenkt ein Eis dafür zurück gibt. Geben und nehmen. Die Gesellschaft will etwas erleben also: „Define the Experience Space“ „Experience make Loyality“. Zum Thema Contextual Computing erzählt er von seiner Vision das wir personalisiert durch eine Brille Angebote und Hinweise bekommen auf einer Datenbasis die alles über uns und unsere Freunde weiß. So könnten wir auf dem Heimweg beim Vorbeifahren an einem Blumenladen an den Geburtstag der Frau erinnert werden, welche Blumen mag. Seine 6 Vorhersagen für 2015: 1) All Location-Based Services will die. Das Wort einchecken muss überdacht werden, es verwirrt den User. 2) Facebook will own 50% of all display ads. 3) Facebook will penetrate APAC >2bin users 4) Android & Google Me 5) Media Trade Floor 6) Media budgets will shift. Die Prognose für 2015: „It´s all about you, not segmentation.” “Everything will be personalized”. Ein Vortrag der stark zum Nachdenken anregte über das was war, ist und sein wird. Seine Kernaussage im Vortrag: „Before wie innovate, we have to understand!“. Wir sind also gefragt, dass was jetzt in der Gesellschaft durch die digitale Welt passiert zu verstehen um das was kommt erkennen zu können.
In der folgenden Debatte zum Thema „Werbung im Fernsehen der Zukunft. Bröckelt das etablierte Geschäft?“ wurde meiner Meinung nach leider etwas aneinander vorbei geredet. Ich hätte mir hier eine Diskussion gewünscht wie Online Werbung mit TV Werbung effektiv verknüpft werden kann, denn ist kein Geheimnis das viele User vor dem TV Gerät online sind und Verkaufszahlen so durch den Hinweis im TV Spot dass das Produkt auch online erhältlich ist stark ansteigen. Statt dessen wurde eine Debatte geführt welcher Kanal zukunftsfähiger und erfolgreicher ist. Dass der Erfolg der TV Werbung gegenüber Online Werbung schwieriger zu messen ist und ob die User TV Werbung überhaupt noch wahrnehmen.
Vor dem nächsten Vortrag von Thomas Bachern (Gründer United Prototype) zum Thema „Markenaufbau in Echtzeit – Ein Start-up in der Welt der Online-Games“ wurde dieser Teil 1 der Kurzfilm-Serie „Übermorgen TV – Werbung“ gezeigt. Sehr spannend und toll gemacht!
Thomas Bachern erzählte dann sehr leidenschaftlich und mitreisend über den Aufbau der Markenstrategie von United Prototype und damit verbundene Learning im Social Media. United Prototype ist die Dachmarke unter die u.a. das Produkt fliplife gehört. Flipflife ist ein Social Game mit sehr intelligenten Virtual Product Placement Ansätzen. Das Unternehmen hatte auf Facebook dazu aufgerufen Namensvorschläge für das Spiel einzureichen und ein hochwertiges Apple Komplett Set als Gewinn angepriesen. Insgesamt gingen 10.000 Namensvorschläge ein, am Ende wurde aber keiner davon gewählt was fliplife vor die schwierige Aufgabe stellte dies an die Teilnehmer zu kommunizieren, denn ohne Gewinner kann kein Preis ausgegeben werden. Wie erwartet reagierte ein Teil der Community mit negativen Kommentaren und Blogbeiträgen, Thomas Bachern nenne das einen „Shit Storm“. Das Team von Fliplife hat hierauf richtig reagiert. Sie posteten Link zu negativen Blogartikel auf der eigenen Facebook-Page mit dem Kommentar: „Macht euch selbst eine Meinung“. Das wirkte und die Kritiken schwankten sehr schnell in gutes Zureden und Verständnis um. Wir lernen, offen mit Kritik umgehen, sich der Kritik stellen wirkt besser als wegschauen und schweigen.
Ein weiteres echtes HighLight war der Vortrag von Uwe Lübbermann (Gründer Premium Cola) über die erstaunliche Erfolgsstory von Premium Cola. Die Story beginnt in der Badewann von Uwe Lübbermann, wo dieser eine Afri Cola trinkt und merkt hier stimmt was nicht. Afri Cola hatte ohne Kommunikation an die Konsumenten das Rezept geändert. Geht gar nicht findet Uwe Lübbermann und baut einen Community gleich gesinnter auf um mit dem Anliegen wieder das alte Rezept zu verwenden vor Afri Cola zu tretten. Afri Cola reagiert mit Kriesenmanagement und stellt eine Person zur Verfügung die die Community unter Kontrolle halten soll statt zuzuhören und auf Wünsche der eigenen Kunden ein zugehen. Das Ergebnis, nach zwei Jahren bringt das Unternehmen nicht das alte Rezept, sondern Afri Cola Light in der PET Flasche auf den Markt. Uwe Lübbermann reicht es nun und gründet ein eigenes Cola Unternehmen. Premium Cola. Hier ist der Kunde nicht nur König, sondern ein Teil des Unternehmens. Das Unternehmen agiert nach dem Prinzip der Konsumentendemokratie und das erfolgreich seit neun Jahren ohne Büro. Es gibt einen Mailverteiler über den alle kommunizieren und Abstimmen, über Dinge wie die Verwendung eines veganen Klebeleim´s für die Etiketten. Eine spannende Story überzeugend erzählt. Wer mehr über das Konzept lesen will, findet auf der Website mehr Inforamtionen zur Geschichte von Premium Cola. Sein Fazit und da behält er meiner Meinung nach Recht: “Jeder unzufriedene Kunde ist ein potentieller Wettbewerber!”
Nun durften wir die erste Frau auf der Bühne begrüßen. Leider die einzige Frau zwischen 22 männlichen Referenten. Madlen Nicolaus ist Social Media Managerin EAMER bei Kodak und hielt einen tollen Vortrag über die Social Media Strategie von Kodak, welche sie international in vielen Sprachen aufgebaut und weiterentwickelt hat. Kodak hat viele verschiedene Nutzergruppen und darum agiert Kodak auch in vielen verschiedenen Kanälen. Sie Kategorisiert die Kommunikation in Facebook mit der Bar um die Ecke, LinkedIN als Konferenz und Twitter als Cocktailparty zur Selbstdarstellung. „Social Media ist ein Werkzeug mit dem wir ganz besondere Momente (Bilder) mit anderen Menschen teilen können.“ Das passt in die Kodak Philosophie und so können die Kodak Kioske in DM Märkten nun auch auf Bilder in Facebook zugreifen. Abschließend sehr kluge Worte zum Thema Social Media: Wir müssen nicht den Return of Investement betrachten, sondern den Return of Ignoring!
Oliver Schiffers (Coordinator Northern Europe) berichtete über “Die nächste Generation der Messverfahren: Multichannel Analyse und Digital Intelligence“. Er präsentierte 7 Thesen zu diesem Thema aber leider keinen konkreten Lösungsansatz was mich persönlich sehr interessiert hätte.
Nach der Mittagspause wurde der zweite Teil der Kurzfilm-Serie „Übermorgen TV – Werbung“ gezeigt. Grandios!
Ein weiteres HighLight! Der 16-Jährige Philipp Riederle betrat die Bühne um einen Vortrag zum Thema „Ihr wollt wissen, was wir brauchen? – Das Kommunikationsverhalten der Digital Natives.“ zu halten. In der Anmoderation erwarteten wir nun einen Jungen der uns die Zielgruppe 16 erklärt. Fast. Er hat mit einem beeindruckenden Selbstbewusstsein rund 200 Anzugträgern erklärt was sie zu tun haben um erfolgreiches Social Media zu betreiben. Und was sollen wir sagen, er hatte recht! Er betreibt seit er 13 Jahre alt ist, einen sehr erfolgreichen Podcast „Mein iPhone und ich“ (40.000 Downloads pro Podcast!), hält Vorträge und hat nun neben Schule und Hausaufgaben auch ein eigenes Social Media Unternehmen gegründet. Nach den ersten 10 Minuten seines Vortrags zum Thema Kommunikation in Social Media, wechselte er kurz das Thema und erzählte und das er vor Vorträgen wie diesen bei denen er vor so vielen gebildeten Anzugträgern steht, schon ganz schön aufgeregt ist und ihm seine Freundin als Unterstützung vor solchen Auftritten ein Armband leiht das er nun trägt und ihm das Gefühl gibt das sie auf der Bühne bei ihm ist. Dann hält er kurz inne und stellt die Frage: „Was habe ich gerade gemacht?“. Er klickt auf die nächste Folie auf der steht: „Nähe aufbauen“. Wow! Wo wir reine sympathische Menschlichkeit vermutet hatten, steckt die perfekte Social Media Kommunikations-Strategie die uns zeigt was wir zu tun haben. Hut ab! So klein und schon so groß!
Nach diesem Vortrag war das Level schon ganz weit oben, es wurde aber trotzdem nicht langweilig. „The Web is for making live easyer.“ Im nächsten Vortrag „Der Konsument der Zukunft: mit Neuromarketing den Absatz steigern“ erzählte André Morys (Vorstand, Web Arts) über die Emotionalität von Produkten und wie man durch Gestaltungsänderungen der Landingpage den Absatz steigert, für einen Schuh fand er durch einen AB Test heraus, dass der Zielgruppe das Gefühl von Elite vermittelt werden musste, wenn sie diesen Schuh tragen. Er sagt: „Kein Produkt ist unemotional“ und beweist das an einem Achselpad bei dem er durch die Optimierung des Slogans große Umsatzsteigerungen bewirken konnte. „The click happens in the users brain“.
Es folgte eine Debatte über die nächste Generation des Targeting aus der ich für meinen Teil nichts spannendes oder neues mitnehmen konnte. Dafür aber aus dem nächsten Vortrag von Osar Ugaz, dem Digital Business Manager von Real Madrid der über die „Digital Strategy: new business opportunities through multi-channel-marketing“ sprach. Er beginnt seinen Vortrag mit den Sätzen: „Be water, water can be anything!“ Er erzählt über die Kanäle die Real Madrid nutzt (fast alle) und über Learning und Praktiken in Facebook. Aktuell zählt Real Madrid stolze 6 Mio. Fan´s und diese Zahl wächst jeden Monat um 28%! Neu in der Real Madrid Strategie ist ein iPhone Game das Fan´s zu Managern des Vereins macht und mir großem Erfolg einschlägt. Den Twitter-Kanal nutzt Real Madrid vor allem immer dann wenn gerade ein Tor gefallen ist, denn in diesem Moment sind alle begeistert und auch online und somit leicht für den Download des neues Spiels zu begeistern! Grundsätzlich, sagt er, ist es immer wichtig das wir eine Story zu erzählen haben um Menschen zu begeistern. Wenn man ihm erzählt dass er mit einer kostenpflichtigen App während dem Date das Spiel verfolgen kann, findet er das toll und ist bereit zu zahlen. Zuhause vor dem TV nicht. Da fehlt die Story, der Grund, der Nutzen für ihn.
Bereits am Morgen hatten wir alle eine Tüte mit Give-Aways zur Begrüßung erhalten und darin auch einen Müsli-To-Go Becher gefunden. Klar, dass wir auf den nächsten Vortrag von myMüsli Gründer Hubert Bessau gespannt waren. Meine Erwartungen an einen guten Vortrag wurden auch erfüllt. Er beschreibt den Weg zum Erfolg so: Blogs, online Medien, Tageszeitung, magazine, TV. Wer das erreicht hat kommt von der Pull in die Push Phase. Die Phase 2 nachdem alle einmal über mymueslie.de berichtet hatten ging es darum immer wieder mit neuen Ideen in den Medien für Aufmerksamkeit zu sorgen. Die geheime mymueslie-Zutat ist für ihn das Ziel, die Herzen der Konsumenten zu erreichen. Müsli mit Herz, eine schöne Erfolgsgeschichte von 3 Jungs die in einer gemeinsamen WG begannen Müsli her zu stellen.
Danach sprach Mehrdad Piroozram (Gründer iSteps App Ventures), welcher sich selbst sympathisch als kölschen Perser bezeichnet, über die Zukunft und Relevanz von in-app Advertising und stellt in seinem Vortrag spannende Ideen und Konzept vor. Ich muss zugeben ich war bisher nicht besonders stark für in-app Advertising zu begeistern und habe nach seiner Rede meine Meinung dazu nochmal überdacht. Er konnte mich überzeugen, dass es hier für sehr viele Unternehmen erfolgreiche Werbeansätze gibt.
Weniger Überzeugend war für mich der Vortrag von Amir Kasseai (CCO, DDB Group), in dem er mutige Aussagen predigte wie “Es gibt kein Social Media”. Der eine oder andere Ansatz interessant, aber meiner Meinung nach nicht zu Ende gedacht. Mein Bauchgefühl wurde mir später bestätigt, die Präsentation hielt er bereits vor zwei Jahren. Daher kein spannendes Zukunftsdenken sondern bereits eingetroffenen Gegenwart kombiniert mit überholten Thesen.
Das Ende der wirklich gelungenen Konferenz war dann eine Debatte über den “Fahrplan für das Werbegeschäft der Zukunft – Roadmap 215″ und abschließend ein nettes Get Together im sehr schönen Rheinsaal. Der Saal leerte sich allerdings recht zügig wieder, da wir alle erschöpft waren, von einem sehr interessanten Tag und einer riesigen Informationsflut.
Abschließend kann ich sagen das ich auf jeden Fall wieder kommen würde und die Konferenz jedem wärmstens weiterempfehlen kann der sich für die Entwicklung der digitalen Welt interessiert! *ilke*
Hier der offizielle Bericht zur Veranstaltung mit Videos und Bildern.







6 Comments
Danke Lena,
das ist wirklich eine tolle Zusammenfassung. Die macht Lust nächstes Jahr auch dabei zu sein. Bisher war diese Veranstaltung nicht auf meinem Radar.
Sehr schöne Zusammenfassung des wirklich tollen Konferenztages! Herzlichen Dank an dieser Stelle auch für dein Lob für mein Auftreten!
Allerdings ist mir ein kleiner inhaltlicher Fehler aufgefallen. Mein Podcast hat nicht 4000 Downloads pro Episode, sondern es sind inzwischen tatsächlich 40000.
Herzliche Grüße,
Philipp
Ui, sorry! Das korrigiere ich gleich!